Lichternstern-Gymnasium Sachsenheim: Schulleben in der Pandemie

Das Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim ist eine besondere Schule, die ich gemeinsam mit dem bildungspolitischen Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Dr. Timm Kern, besuchte, wo wir uns mit Schulleiter OStD Reinhart Gronbach austauschten. Das Ganztagsgymnasium beginnt ab Klasse 5 und hat als weiteren Zweig das Aufbaugymnasium für Mädchen ab Klasse 11 mit den Schulabschlüssen Fachhochschulreife oder Abitur. Es ist eine christlich fundierte, weltoffene Schule mit diakonisch-sozialen Projekten.

Einzelne Klassen waren an diesem Tag mit Maske zur iPad-Übergabe gekommen und holten sich dabei die Halbjahresinformationen ab. Schulleiter Gronbach erklärte, dass zwar seit einem Jahr keine außerunterrichtlichen Veranstaltungen, Konzerte, Fahrten und ä. organisiert werden müssten. „Jede der ständig wechselnden Vorschriften müssen nun für den Schulbetrieb völlig neu organisiert werden, was mit viel Aufwand verbunden ist.“ Dr. Timm Kern meinte dazu, dass diese großen Anstrengungen für den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler sehr wohl von den Eltern und der Gesellschaft honoriert würden; es gebe mehr Wertschätzung für den Lehrerberuf.

Mit berechtigtem Stolz führte Schulleiter Gronbach die Gäste durch die Schule, um ihnen die fortschrittliche Digitalisierung zu zeigen. Das Gymnasium der „Schulstiftung der evangelischen Landeskirche Baden-Württemberg“ war bereits vor der Pandemie mit Endgeräten und der Software MS Teams gut ausgestattet. Der digitale Unterricht ist nicht so störungsanfällig wie an anderen Schulen, da jeder Schüler bereits vor der Pandemie Zugangsdaten bei Microsoft hatte. Dabei gibt es auch an dieser Schule nur einen Ehrenamtlichen als IT-Betreuer. Zuständig sind ansonsten für die Vernetzung und Ausstattung auch hier Lehrkräfte zusätzlich zu ihren Lehraufträgen. „Ein Mitarbeiter wäre für jede größere Schule nötig“, war meine Anregung “die Stadt Vaihingen z.B. hat kürzlich einen Mitarbeiter für alle 15 Schulen eingestellt“.

Beim Rundgang erlebten wir mehrere Formen des Unterrichts: ein Klassenzimmer für Fernlernunterricht durch Lehrer der Risikogruppe, die von zuhause aus digitalen Unterricht erteilen oder ein Klassenzimmer, in dem der Lehrer mit vielen Möglichkeiten die Schüler zuhause unterrichten kann. Im „Raum der Stille“ werden im Livestream Elternabende durchgeführt und Präsentationen der Schule gezeigt, Fragen können dazu schriftlich im Chat gestellt werden. Für die digitalen kollegialen Lehrersprechstunde und Meetings hat zu Beginn des Schuljahres September 2020 jede Lehrkraft ein i-Pad erhalten. Damit können sich Lehrkräfte auch untereinander austauschen.

„Es sind tolle Zustände, wie das an jeder Schule sein sollte“, sagte dazu der Landtagsabgeordnete Dr. Timm Kern. „Das Aufholen von Defiziten bei der Digitalisierung ist eine gesamtstaatliche Daueraufgabe, für die wir einen Digitalpakt II zwischen Bund, Ländern und Kommunen brauchen. Für die Hard- und Software brauchen die Schulen eine Positivliste mit datenschutz- und datensicherheitskonformen Anwendungen.“ Ein besonderes Erlebnis war eine Unterrichtsstunde mit acht Schülern der Jahrgangsstufen 1 und 2, live moderiert und organisiert durch den stellvertretenden Schulleiter Helmut Winkler. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde forderte ich die Schülerinnen und Schüler auf, ihre Fragen an den Gast aus dem Landtag zu stellen. Diese erwiesen sich dabei als sehr gut informiert, auch bei Themen der europäischen Ebene, sehr interessiert und geübt im Diskutieren.

Ihre wichtigsten Themen betrafen die Corona-Pandemie, ihre Bekämpfung und die Auswirkungen: Impfstrategien, Testen und vor allem die Folgen für das bevorstehende Abitur. „Wie kann die Chancengleichheit im Abitur gewährleistet werden, bei Home-Schooling und unterschiedlichen Richtlinien in den verschiedenen Bundesländern?“ Dr. Timm Kern erklärte, dass trotz des Bildungsföderalismus die Kultusministerkonferenz mit einer neuen Vereinbarung Vergleichbarkeit schaffen wolle: „Mit einem Pool an Abiturthemen gleichen Niveaus, mit einer größeren Auswahl vor Ort soll den erschwerten Bedingungen Rechnung getragen werden. Baden-Württemberg bleibt beim zentralen Abitur.“

 

Hier wies ich auf unseren FDP-Vorschlag hin, dass es mit sinkenden Inzidenzzahlen einen Stufenplan für die Öffnung von Schulen geben müsse. „Mit Masken, Abstandsregeln, großen Räumen, Lüften und vor allem mit Teststrategien muss dies dann gelingen. Kinder und Jugendliche müssen das soziale Miteinander wieder erleben dürfen.“ Das Abschlussgespräch mit dem Schulleiterteam fand im Lerncafé statt, wo sich Schüler zum gemeinsamen Lernen und Entspannen treffen können.