Besuch bei Ensinger Mineral-Heilquellen

Zu einem angeregten Gespräch über Themen mittelständischer Unternehmen traf ich mich in der Firma Ensinger mit dem FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Marcel Klinge. Unser Gesprächspartner war der geschäftsführenden Gesellschafter der Firma Ensinger, Thomas Fritz.

Marcel Klinge ist Abgeordneter des Schwarzwald/Baar Kreises, Stadtrat in Villingen- Schwenningen, Sozial- und Politikwissenschaftler und im Bundestag in den Ausschüssen Tourismus, Wirtschaft und Energie.

Zunächst erörterten wir die Folgen von Pandemie und Lockdown: Vor- und Nachteile von Web-Konferenzen und Online-Veranstaltungen, die durch die Pandemie einen völlig anderen Stellenwert im Unternehmen und in der Politik bekommen hätten. Wir Liberalen fordern mehr Verantwortung den Mitbürgern gegenüber ein bei der Umsetzung der AHA- Regeln. Die Folgen für die Zukunft betrachte ich mit Sorge:„Durch verpasste Bildung wird es mehr nicht gebildete junge Menschen geben und durch das Einbrechen der Wirtschaft mehr Arbeitslosigkeit.“

Wir waren darin einig, dass die Schulbildung, die Basis, mit größtem Einsatz gefördert werden müsse, Abitur und Studium für den akademischen Berufsweg, aber vor allem auch das Berufliche Bildungssystem gestärkt werden müsse. „Um unsere duale Ausbildung beneiden uns viele andere Länder und informieren sich bei uns“, erklärte Marcel Klinge. Aus meiner beruflichen  Zur Nachwuchsgewinnung war ich selbst in den Schulen und habe dort das Berufsbild des Berufskraftfahrers vorgestellt. „Auch die Alternative der Selbstständigkeit, der Unternehmergeist, muss in die Schulen getragen werden.“

Wie kommt Ensinger als Zulieferer zur Gastronomie durch den Lockdown? „2020 konnten wir mit 1% über 2019 abschließen“, erklärte Thomas Fritz, “den Ausfall auch durch die Schließung von Kantinen bei Großunternehmen wie Daimler und Bosch konnten wir durch eine Ausweitung im Handel und Erweiterung des Gebietes auffangen. Im Januar liegen wir dagegen bereits um ein Viertel unter dem Umsatz des Vorjahres. Das ist ein deutlicher Hinweis, dass die Pandemie noch zu einer echten Herausforderung werden wird. Wir sind bisher stolz darauf, dass wir keine Kurzarbeit anmelden mussten und auch die geplanten Investitionen für die neue Glasflasche mit der dazu notwendigen Abfüllanlage in Millionenhöhe umsetzen konnten.“

Bundespolitiker Marcel Klinge fragte nach der Nachfolgeregelung bei Ensinger, denn in vielen familiengeführten Unternehmen erlebe er dies als große Herausforderung. In dem 1952 von Wilhelm Fritz und seinen vier Söhnen gegründeten Unternehmen gibt es mittlerweile mehrere Gesellschafterfamilien, die den nächsten Generationenübergang bereits eingeleitet haben. Zusätzlich hat die Firma einen Geschäftsführer ohne familiären Bezug – eine gute Ausgangslage für den prosperierenden Familienbetrieb, der aktuell einen Umsatz von 48,5 Mill. € /Jahr und einen Absatz von 124 Mill. l /Jahr hat, in dem 177 Mitarbeiter und 8 Auszubildende arbeiten.

 

Auf Klinges Frage: „Welche Wünsche soll ich mit nach Berlin nehmen?“ kam die spontane Antwort des Ensinger Unternehmers, dass die aktuelle Große Koalition entgegen den veröffentlichten Zielsetzungen eine erschreckend mittelstandsbelastende Politik umsetze. Dies betrifft z.B. rückwärtsgewandte Entwicklungen im Arbeitsrecht, Bürokratiemonster wie „Mindestlohneinhaltungsbeweisdokumentation“ und faktisch die fast nicht vorhandene Förderung der Nachwuchseliten, die in der nächsten Generation unser Land voranbringen sollen. Leider sei das Berufsbild „Selbstständiger“ in unserer Gesellschaft nicht mehr entsprechend repräsentiert, gefördert und anerkannt. Ich führte ein Beispiel aus meiner Berufserfahrung aus und MdB Klinge bestätigte, dass aus seiner Sicht die Ministerien mehr das Knowhow der Praxis verwenden müssten, z. B. die Logistiker einbinden und auf Praktiker hören sollten.