Horrheim - Jahrhundertealte Weinbaukultur lädt zum Wandern ein

In einem ausführlichen Rundgang zeigte mir die Horrheimer Ortsvorsteherin Anita Götz und weiteren Interessierten ihren Stadtteil. Ich selbst bin hier Neubürger und vor vier Jahren mit meiner Familie in ein Mehrgenerationenhaus in Horrheim gezogen hat. Als Stadtrat bin ich im Ortschaftsrat kooptiert und wollte gerne mehr über meinen Heimatort wissen. Im ersten Teil des Rundgangs wurde vieles der funktionierenden Infrastruktur des Ortes gesehen wie die Metterhalle mit dem Stadion, Schule und Kitaneubau. Über das Museum im Bärenturm, und an der Stadtmauer entlang ging es in den Historischen Teil Horrheims.

 

Bereits aus dem 15. Jahrhundert sind die alte Poststation und das Zollhäusle an der Metter, Zeugnisse der ehemaligen Bedeutung des Ortes. Gegenüber über die Metterbrücke geht es um die Zukunft des VOBA-Geländes. Hier sollte auf jeden Fall der Arzt bleiben können, im unteren Bereich wäre noch genügend Platz, um das Gesundheitsangebot zu erweitern. An der Metter entlang auf dem Grabenbrunnenweg erkennt man noch die großen Gehöfte und erahnt die Zehntscheuer, die durch einen Blitzschlag abgebrannt ist.

Die Alte Kelter wird zurzeit von Grund auf saniert, darauf sind die Horrheimer zu Recht stolz. Vaihingen als Stadt des Weines wird wieder ein Weinmuseum haben und Möglichkeiten für Präsentationen und Veranstaltungen. Auch der Friedhof ist schön angelegt, dort soll im Herbst die alte Friedhofsmauer, die sich langsam nach innen neigt, wieder instand gesetzt werden. Letzter Punkt war der einzige Brunnen in der Forellengasse. Er ist gerade zur Reparatur und sollte danach möglichst wieder zum Wasserpumpen genutzt werden, somit könnte wie früher das Gießwasser geschöpft werden.

In Horrheim gibt es viel Geschichte und Weinbaukultur zu entdecken; außer den beliebten Badeseen sorgen weitere Seen und Brunnen für Bewässerung. Interessant ist der „Untere See“, der von den Mönchen des Klosters Maulbronn als Karpfengewässer angelegt und erst 1900 abgelassen wurde. Vom Naturschutz Deutschland (Nabu) wurden die Grundstücke des ehemaligen Sees zurückgekauft und der See im Winter 1986/87 als Ausgleichsmaßnahme für die Bahnstrecke Mannheim-Stuttgart wieder hergestellt – so ist es auf der Infotafel zu lesen. Vorbei am Benzelsriedsee mit wunderschönen Seerosen ging es durch die Weinberge zum neugefassten Eselsbrunnen, der von einer höher liegenden Quelle gespeist wird. Da deren Schüttung sehr gering ist, müssen die Wengerter beim Füllen ihres Wassertanks eine „Eselsgeduld“ aufbringen.

 

Horrheim ist für Touristen attraktiv, dafür wurde ein Weinlehrpfad und ein Rebsortenpfad gleich bei der Rebflurbereinigung angelegt. Ein 3 km langer Rundweg windet sich bis zum Aussichtspunkt, von wo man einen wunderschönen Blick bis zum Stuttgarter Fernsehturm und zum Windrad Ingersheim hat. Von hier aus lohnt sich der Fußweg weiter zu einer Führung oder einer Andacht auf dem Klosterberg. Dazu gibt es auch Privatinitiative wie die neu eingerichtete Sitz- und Verweilecke vom Weingut Dieter Faigle. Später wird es hier Weinproben geben. Am Ende der langen Tour konnten wir einen kühlen Prosecco genießen. Was für ein schöner Abschluss!