Keine regionale Wurst ohne regionale Viehhaltung

FDP-Fraktionschef Rülke und Wahlkreiskandidat Zitzmann informieren sich bei Familienunternehmen Bock in Unterriexingen über Bürokratie im Lebensmittelgewerbe


Gemeinsam mit einer Gruppe von Interessierten haben sich der FDP-Spitzenkandidat zur Landtagswahl und Chef der Landtagsfraktion Dr. Hans-Ulrich Rülke sowie der Vaihinger FDP-Wahlkreiskandidat Roland Zitzmann beim Familienunternehmen Bock in Unterriexingen über die Produktion von Wurst- und Fleischwaren erkundigt. Ein Problem der Branche sprach Sandra Häussler, die den traditionsreichen Betrieb mit 60 Beschäftigten gemeinsam mit ihren beiden Schwestern Gabriele Lenz und Andrea Huber sowie mit ihrem Mann Jörg Häussler führt, gleich zu Beginn an. „Die Kunden wollen heute alle Lebensmittel aus regionaler Erzeugung, aber ohne regionale Viehbetriebe kann es auch keine regionalen Wurstwaren mehr geben“, stellte die Tochter des Unternehmensgründers Franz Bock klar. Doch angesichts der Preisentwicklungen an den Lebensmittelmärkten und der von der hohen Biogasförderung getriebenen Preise für landwirtschaftliche Flächen geben in der Region immer mehr Mast- und Milchbetriebe auf. Rülke fügte hinzu, Baden-Württemberg müsse den heimischen Landwirten auch wieder mehr unternehmerische Freiheiten lassen anstatt sie über die Kriterien der Agrarförderprogramme des Landes bürokratisch zu gängeln.


In der Verarbeitung selbst sei die immer weiter ausufernde Bürokratie das Hauptproblem, erklärten Sandra und Jörg Häussler. Neben den seit 2006 nach EU-Recht verpflichtenden HACCP-Hygienemanagementplänen habe das Unternehmen im Jahr 2013 die Zertifizierung nach dem International Food Standard eingeführt, um Supermarktketten beliefern zu können, die dies in der Regel erwarten. Ein Jahr später mussten sämtliche Zutaten und Produktionsschritte auf die sogenannte Allergenverordnung umgestellt werden, die eine genaue Angabe von enthaltenen Allergenen vorschreibt. Die nächste Herausforderung sei nun die Einführung der Pflicht zur Angabe von Nährwerttabellen auf allen Lebensmitteln nach der europäischen Lebensmittelinformationsverordnung. Doch gerade auf kleinen Verpackungen reiche der Platz gar nicht aus, um die geforderten Angaben aufzudrucken. „Bald werden Lebensmittel hierzulande wohl mit Beipackzettel verkauft“, vermutete Sandra Häussler. Der Liberale Zitzmann sagte, der Bürokratieaufbau in Brüssel sei zwar schlimm genug, oft sei aber noch mehr die nationale Umsetzung durch Bund und Länder in Deutschland das Problem. Zum Beispiel habe kaum ein anderes EU-Land die Allergenverordnung so rasch und so bürokratisch umgesetzt wie Deutschland.


Wie sehr auch die grün-rote Landesregierung in Stuttgart der Bürokratie frönt, stellte FDP-Landtagsfraktionschef Rülke an einem aktuellen Beispiel dar. „Erst hat Minister Hermann von den Grünen in der Landesbauordnung verfügt, dass Neubauten zwangsbegrünt werden und mit überdachten Fahrradstellplätzen ausgestattet werden müssen. In der dazu gehörenden Verwaltungsvorschrift treibt er die Bevormundung der Bürger jetzt aber wirklich auf die Spitze. Die überdachten Fahrradstellplätze müssen demnach das Format 0,8 mal 2 Meter aufweisen und mit einem Anlehnbügel versehen sein. Einfache Vorderradständer sind verboten. Und dann wundert sich Grün-Rot, warum in Baden-Württemberg zu wenig in neue Gebäude investiert wird und manche Unternehmer langsam die Lust verlieren“, kritisierte Rülke.


Bild v.l.n.r.: Hans-Ulrich Rülke, Sandra Häussler, Roland Zitzmann

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